LRS

von Anna Kurth


Allgemeine Informationen

Unter einer Lese-Rechtschreibschwäche (LRS) versteht man eine Beeinträchtigung der Fähigkeit, Lesen und Schreiben entwicklungs- und zeitgerecht zu erlernen. Gleichzeitig ist das Kind jedoch durchschnittlich oder überdurchschnittlich intelligent und hat keine nennenswerten Schwierigkeiten bei der Konzentration oder Aufmerksamkeit. Eine LRS kann entweder isoliert oder als Folge einer Sprachentwicklungs- oder einer allgemeinen Entwicklungsstörung auftreten.
Als Synonyme werden häufig Legasthenie oder auch Entwicklungsdyslexie und –dysgraphie verwendet.
Eine LRS kann sich unterschiedlich stark ausprägen. Meistens ist das Schreiben stärker betroffen als das Lesen. Eine LRS kann bis ins Erwachsenenalter bestehen bleiben und zeigt sich in ihrer stärksten Form als Analphabetismus.

Hintergrundinformationen
Von einer LRS spricht man dann, wenn das Kind erhebliche und andauernde Schwierigkeiten beim Erlernen von Lesen und Schreiben hat. Es gibt keine „typische“ Fehlerart, die nur LRS-Kinder machen. Sie machen im Grunde die gleichen Fehler wie alle anderen Kinder auch, nur sehr viel häufiger und länger anhaltend. Zu Beginn neigen sie eher dazu, Wörter genauso zu schreiben wie sie auch klingen (z.B. ‚schden‘ statt ‚stehen‘ oder ‚Fata‘ statt ‚Vater‘). Diese Strategie wird länger als gewöhnlich beibehalten. Die Kinder scheinen nicht zu verstehen, dass manche Wörter anders geschrieben als gesprochen werden, oder sie können sie sich nicht einprägen. Regularitäten werden nicht erkannt oder nicht angewendet (beim Lesen und Schreiben gleichermaßen). Das Lesen bleibt lange buchstabierend, die Kinder lernen teilweise Texte auswendig und verbergen so ihre Schwierigkeiten. Oft ist eine Ratestrategie zu beobachten, bei der das Wort nicht bis zum Ende gelesen wird. Das hat zur Folge, dass später auch Texte nicht (schnell genug) verstanden werden, und die Problematik erstreckt sich schnell auf alle Schulfächer. Dies kann Auswirkungen auf die Psyche des Kindes haben, da es sich häufig als Versager erlebt.

Die Ursachen für eine LRS sind vielfältig und meist nicht genau bestimmbar. Familiäre Häufungen werden beobachtet sowie eine vergangene Sprachentwicklungs- oder allgemeine Entwicklungsstörung, sowie die Kombination mit einer Rechenschwäche (Dyskalkulie). Bei einer auditiven Wahrnehmungsstörung kommt es sehr häufig zu einer LRS.

Um erfolgreich Lesen und Schreiben zu lernen, muss ein Kind (neben einem Mindestmaß an Konzentrationsfähigkeit, motorischen Leistungen und Gedächtniskapazität) über bestimmte zugrunde liegende Fähigkeiten verfügen. Dazu gehört insbesondere die phonologische Bewusstheit (vgl. auditive Wahrnehmungsstörung). Diese ermöglicht dem Kind, das Prinzip der deutschen Alphabetschrift zu erfassen, indem es Wörter in einzelne Laute zergliedern und diese in Buchstaben übersetzen kann.

Befunderhebung und Therapie im ZAPPL
Das ZAPPL arbeitet eng mit der Universität Potsdam zusammen und verfügt dadurch über hohe Qualitätsstandards, die regelmäßig aktualisiert und evaluiert werden. Die Grundlage der Diagnostik und Therapie sind neueste Forschungsergebnisse des kognitiv-neurolinguistischen Ansatzes, dem Erkenntnisse über die normale und gestörte Verarbeitung gesprochener und geschriebener Sprache zugrunde liegen.
Wir führen eine ausführliche Diagnostik durch, um ein individuelles Leistungsprofil des Kindes zu erhalten. Darauf aufbauend wird ein individueller Therapieplan erstellt und durchgeführt. Je nach Bedarf werden zunächst die voraussetzenden Fähigkeiten für den Schriftspracherwerb aufgebaut, im Anschluss daran wird mit der Vermittlung von Rechtschreibregeln begonnen.
Die Therapie kann bei Schulkindern jeder Altersgruppe stattfinden. Bei Vorschulkindern mit und ohne Sprachentwicklungsstörung bzw. zentral-auditiver Wahrnehmungsstörung können Sie sich zur Prävention und Risikoberatung ebenfalls an uns wenden. Für Erwachsene bieten wir individuelle Alphabetisierungskurse und systematisches Rechtschreibtraining an.
Bei Schulkindern ist uns der Kontakt zu Lehrern und Förderlehrern sehr wichtig, ebenso die Elternberatung. Die Therapie findet in Einzelsitzungen normalerweise 1-2mal pro Woche statt und dauert jeweils 45 Minuten.

Wegweiser ins ZAPPL
Eine LRS wird üblicherweise ab dem 3. Schuljahr vom Schulpsychologen attestiert. Dieser kann auch eine Empfehlung über Freistellung von Rechtschreibnoten ausstellen.
Laut §35a Sozialgesetzbuch VIII (http://www.sozialgesetzbuch-sgb.de/sgbviii/35a.html) besteht bei Kindern und Jugendlichen ein Anspruch auf Eingliederungshilfe bei drohender oder bestehender „seelischer Behinderung“. Zuständig für die Prüfung und Genehmigung der Fördermaßnahme ist das Sozialamt Ihres Wohnkreises.
Darüber hinaus besteht die Möglichkeit, die Förderung im ZAPPL privat zu bezahlen.