Wortfindungsstörungen bei Aphasie
von Antje Lorenz

Allgemeine Informationen / Definition
Wortfindungsstörungen (Synonym: Wortabrufstörungen) sind eines der häufigsten Symptome bei neurologisch bedingte Sprachstörungen (Aphasie) und treten bei allen aphasischen Syndromen auf. Im Gespräch äußern sich Beeinträchtigungen in der Wortfindung durch häufige Pausen aufgrund von Suchverhalten nach dem passenden Wort (z.B..: „..da bin ich auf ein... mh... wie soll ich sagen...“). Darüber hinaus können Fehler bei der Wortauswahl oder auch beim Abruf der Wortform auftreten. Fehler bei der Wortauswahl zeichnen sich häufig durch eine Bedeutungsähnlichkeit mit dem Zielwort aus, wie zum Beispiel die Verwendung des Wortes ‚Hund‘, wobei jedoch eine Katze gemeint ist. Wenn im Unterschied dazu statt Katze ‚Katte‘ oder ‚Patze‘ geäußert wird, liegt ein formähnlicher Fehler vor.

Hintergrundinformationen
Die medizinisch-neurologische Ursache für erworbene Aphasien und somit auch für Wortfindungsstörungen ist eine Schädigung der sprachrelevanten Areale in der Großhirnrinde der sprachdominanten Hirnhälfte. Zu den häufigsten Ursachen zählen zerebrale Gefäßinsulte (Schlaganfall), bei denen es zu einer Unterbrechung des Blutflusses oder auch zu einer Einblutung kommen kann, die die Funktionsfähigkeit der sprachrelevanten Areale in Mitleidenschaft ziehen. Weitere mögliche Ursachen für Aphasie sind Hirntumoren, Hirnhautentzündungen (Enzephalitits), Unfälle (Schädel-Hirn-Trauma) oder auch demenzielle Erkrankungen, wie zum Beispiel Alzheimersche Demenz.
In funktionalen Wortverarbeitungsmodellen (vgl. Logogen-Modell), die die zugrunde liegenden Prozesse des ungestörten Wortabrufs abbilden, werden mindestens zwei Ebenen unterschieden, die beim Abruf von Wörtern durchlaufen werden und die bei Aphasie spezifisch beeinträchtigt sein können. Dabei handelt es sich um eine Bedeutungsebene und eine Wortformebene. Beim Abruf eines Wortes muss zunächst auf eine Repräsentation der Wortbedeutung zugegriffen werden, d.h. beispielsweise für das Wort Tomate wird zunächst folgende bedeutungsbezogene Information verfügbar: Gemüse, zum essen, rot, rund, evtl. Salat, Pflanze, usw.. Anschließend wird die wortformbezogene Information verfügbar, also die Wortlänge und Wortbetonung: 3 Silben, Betonung auf 2. Silbe, Anzahl der Laute, usw.. Bei Aphasie kann jede dieser beiden Ebenen spezifisch beeinträchtigt sein.

Befunderhebung
Das Ziel in der Diagnostik ist es, die zugrunde liegende funktionale Beeinträchtigung zu lokalisieren, d.h. in einem Wortverarbeitungsmodell die entsprechende Störungsebene einzugrenzen, so dass in der Therapie optimale Ergebnisse erzielt werden. Bestandteile der Befunderhebung sind Gespräche zwischen Untersucher und Patient sowie weitere Untersuchungen, in denen mit ausgewähltem Material die Symptomatik gezielter abgeprüft wird. Hierbei werden sowohl Untersuchungen zum Wortverständnis als auch zur Wortproduktion durchgeführt. Neben mündlichen Leistungen werden auch schriftliche Leistungen überprüft. Dabei werden normierte Testverfahren verwendet (z.B. Lemo, Bogenhausener Semantik Untersuchung).
Anhand des neurolinguistischen Profils des Patienten, bestehend aus beeinträchtigten und erhaltenen Leistungen in den durchgeführten Aufgaben, werden passende Therapiemethoden ausgewählt. Dabei wird auch der Umgang des Patienten mit seiner sprachlichen Beeinträchtigung, wie zum Beispiel der spontane Einsatz von kompensatorischen Strategien, mitberücksichtigt. Zum Umgang des Patienten mit seiner Störung werden auch die nahen Angehörigen befragt. Nach Abschluss der Befunderhebung werden der Patient sowie seine Angehörigen über die Art der Beeinträchtigung aufgeklärt und es werden konkrete Therapieziele besprochen. Die Aufklärung der Angehörigen ist auch innerhalb des sich anschließenden Therapiezeitraumes immer wieder ein wichtiger Bestandteil.

Therapie
Die Therapie orientiert sich an dem neurolinguistischen Leistungsmuster, bestehend aus beeinträchtigten und erhaltenen Leistungen. Bei der Behandlung von Wortfindungsstörungen kann zwischen direkten Methoden und kompensatorischen Methoden unterschieden werden.
Durch den Einsatz von direkten Methoden wird die Funktionsstörung des Patienten direkt behandelt. Zur Verbesserung von Störungen auf der Bedeutungsebene werden in der Therapie zum Beispiel Übungen zum Kategorisieren nach Oberbegriffen (z.B. Tomate > Obst) oder dem Abruf von Bedeutungsmerkmalen (z.B. Tomate > essbar, rot, Pflanze) durchgeführt. Zur Verbesserung von Störungen auf der Wortformebene kommen im Unterschied dazu Übungen zum Einsatz, die auf die Wortform bzw. den Zugriff auf die Wortform abzielen, wie zum Beispiel der Einsatz von Anlauthilfen beim mündlichen Benennen von Objektabbildungen (z.B. Vorgabe des ersten Lautes des Wortes). Bei einigen Patienten erweisen sich darüber hinaus auch Umwegstrategien durch den Einsatz erhaltener Leistungen zur Unterstützung der Wortfindung als aussichtsreich, z.B. Schreiben des Wortes oder auch des Anfangsbuchstabens als Hilfe des mündlichen Wortabrufs.

Wegweiser ins ZAPP

Der behandelnde Arzt stellt eine Verordnung für die Sprachtherapie aus. Mit dieser Verordnung kann dann unter 0331-2755067 ein Termin im ZAPP vereinbart werden. Eine sprachtherapeutische Sitzung umfasst in der Regel zwischen 45 und 60 Minuten. Informationsgespräche sind jederzeit möglich.