Late Talker – verspäteter Sprechbeginn
von Jeannine Schwytay

Allgemeine Informationen / Definition
Als Late Talker werden Kinder mit einem verspäteten Sprechbeginn bezeichnet. Von einem verspäteten Sprechbeginn spricht man, wenn Kinder mit 24 Monaten weniger als 50 Wörter sprechen und keine Zweiwortsätze bilden. Late Talker entwickeln sich in den anderen Entwicklungsbereichen altersentsprechend.

Hintergrundinformationen
Das wichtigste und durch die Forschung am besten bestätigte Kriterium zur Beurteilung des sprachlichen Entwicklungsstandes im Alter von 24 Monaten ist der Wortschatz eines Kindes. Ein Schwellenwert von 50 Wörtern, den Kinder in der Regel im Alter von 24 Monaten erworben haben, sorgt für die sogenannte „Wortschatzexplosion“, d.h. ab einem Wortschatz von 50 Wörtern erwerben Kinder innerhalb kürzester Zeit mehrere hundert Wörter. Mit einem Wortschatz von 50 Wörtern haben Kinder zudem die nötige Voraussetzung, durch Bildung von Zwei- und Mehrwortsätzen in die Grammatik einzusteigen. Kinder, die das 50-Wort-Kriterium nicht erreichen werden als Late Talker bezeichnet.
Ca. 13-20% aller Zweijährigen sind sogenannte Late Talker. Die Einstufung eines Kindes als Late Talker beinhaltet das Risiko für eine sich möglicherweise entwickelnde Spracherwerbsstörung. Bis zur Hälfte aller Late Talker können ihren Rückstand im Spracherwerb bis dritten Geburtstag aufholen und werden dann „Aufholer“ genannt. Die verbleibenden Kinder zeigen ab dem dritten Geburtstag eine behandlungsbedürftige spezifische Spracherwerbsstörung. Eine Früherkennung von Late-Talker-Kindern bedeutet also, dass ein Entwicklungsrisiko erkannt wird, ohne dass zu diesem Zeitpunkt bereits feststeht, ob sich wirklich eine Störung ausbilden wird. Die frühzeitige Risikoerkennung ermöglicht eine Förderung der betroffenen Kinder in einer Lebensphase mit dem größten Entwicklungspotential noch bevor sich eine Störung ausbildet.
Aus Verlaufsstudien ist bekannt, dass bei fast jeder Spracherwerbsstörung die Eltern rückblickend von einem verspäteten Sprechbeginn berichten. Der verspätete Sprechbeginn ist somit das wichtigste Signal für eine eventuelle Gefährdung des Spracherwerbs eines Kindes. Eine zuverlässige Vorhersage, ob das Kind zum „Aufholer“ wird oder ob sich eine Spracherwerbsstörung ab dem dritten Geburtstag zeigen wird, ist nicht möglich.

Befunderhebung
Zur Erfassung eines verspäteten Sprechbeginns haben sich Elternfragebögen bewährt. Diese Elternfragebögen richten in der Regel ihren Fokus auf die zur Risikoerkennung wichtige Wortschatzgröße des Kindes und auf den beginnenden Grammatikerwerb. Elternfragebögen werden entweder im Rahmen der kinderärztlichen Vorsorgeuntersuchung U7 bzw. in der sprachtherapeutischen Praxis eingesetzt.
Da ein verspäteter Sprechbeginn auch im Rahmen anderer Störungsbilder, wie z.B. bei genetischen Syndromen, Hör- und Sehbeeinträchtigungen, allgemeiner Entwicklungsverzögerung, neurologischen oder Stoffwechselerkrankungen auftritt, sollten weitere Faktoren überprüft werden. Hierzu zählen die Sprachverständnisfähigkeiten, nichtsprachliche Fähigkeiten, interaktive kommunikative Fähigkeiten, der Status der Mund- und Gesichtsmuskulatur des Kindes sowie die Erfassung möglicher Risikofaktoren, wie z.B. eine familiäre Veranlagung.

Therapie
Eine früh einsetzende Behandlung bietet für Late Talker die große Chance, ihren Rückstand im Spracherwerb aufzuholen und präventiv Folgeprobleme zu vermeiden sowie ihre Eltern von einer großen Unsicherheit zu entlasten und zu unterstützen. Entgegen einer jahrzehntelangen Haltung des „Abwartens“ wird heute eine möglichst frühe Intervention empfohlen. Neben der direkten therapeutischen Arbeit mit Late-Talker-Kindern und deren Eltern hat sich das „Heidelberger Elterntraining“ als sehr wirksam erwiesen.

Wegweiser ins ZAPP
Die Kosten für die Befunderhebung und die gegebenenfalls notwendige Therapie werden von den Krankenkassen übernommen. Sie benötigen eine Heilmittelverordnung vom Arzt. Eine Anmeldung für die Befunderhebung ist unter der Telefonnummer 0331-2755067 möglich.
Gern beraten wir Sie vorab!