Auditive Wahrnehmungsstörungen

von Anna Kurth

Allgemeine Informationen
Unter einer zentral-auditiven Wahrnehmungsstörung versteht man eine Beeinträchtigung der Fähigkeit, Gehörtes adäquat zu verarbeiten, obwohl das Kind über ein normales Gehör verfügt. Diese Beeinträchtigung kann sich in verschiedenen Bereichen äußern: bei der räumlichen Wahrnehmung auditiven Materials (woher kommt das Geräusch/ die Stimme?), bei der Speicherung (welche Geräusche/ Wörter/ Laute habe ich gehört?), bei der Sequenzierung (in welcher Reihenfolge habe ich es gehört?) und bei der Kategorisierung (was für ein Geräusch/ was für einen Laut habe ich gehört?). Die auditive Wahrnehmung ist die Basis für die sogenannte phonologischen Bewusstheit, bei der es ausschließlich um die Verarbeitung sprachlichen Materials geht.
Eine Störung der zentral-auditiven Wahrnehmung kann bereits im Vorschulalter auftreten und behandelt werden, häufig tritt sie im Rahmen einer SES auf .
Eine Störung der zentral-auditiven Wahrnehmung ist eine definierte Teilleistungsstörung.

Hintergrundinformationen
Eine zentral-auditive Wahrnehmungsstörung kann sich im frühen Kindesalter durch einen verlangsamten Wortschatzerwerb und/oder gehäufte und langanhaltende Fehler bei der Aussprache äußern (vgl SES). Dies ist jedoch nicht bei allen Kindern so.
Aus den o.g. grundlegenden Fähigkeiten der zentral-auditiven Wahrnehmungsverarbeitung entwickeln sich dann die vertiefende Verarbeitung von sprachlich-phonologischen Informationen. Diese sprachlichen Verarbeitungsleistungen, genannt phonologische Bewusstheit, zeichnen sich z.B. durch Reimen und Silben klatschen aus. Das Kind beginnt also, Worte unabhängig von ihrer Bedeutung als Klanggebilde zu erfassen und zu analysieren. Es entdeckt, dass sich das Wort „Rabe“ unabhängig vom Wesen und dem Aussehen eines echten Raben in „Ra“ und „be“ zerlegen lässt und dass „Wabe“ sich darauf reimt.
Später kommen Fähigkeiten wie die genaue lautliche Analyse von Wörtern hinzu, z.B. dass Rabe aus R, a, b, und e besteht. Das Kind lernt, Laute zu manipulieren (z.B. Vertauschungen und Ersetzungen wie bei Schüttelreimen und dem Lied „Drei Chinesen mit dem Kontrabass“) und einzelne Laute zu Wörtern zusammenzuziehen (aus R-a-b-e wird Rabe).
Somit wird deutlich, dass die zentral-auditive Wahrnehmung der Schlüssel zu erfolgreichem Lesen- und Schreibenlernen ist. Wenn das Kind nun bei der Wahrnehmung und Analyse von Gehörtem, also „auditiv“ dargebotenen Wörtern Schwierigkeiten hat, dann hat das deutliche Konsequenzen beim Erwerb des Lesens und Schreibens. Denn nur, wenn ein Kind versteht, dass die gesprochene Sprache in einzelne Laute geteilt werden kann, ist es auch in der Lage, das Prinzip der deutschen Alphabetschrift zu verstehen, das ja in der Abbildung von Lauten in Buchstaben besteht. Somit ist eine zentral-auditive Wahrnehmungsstörung häufig Ursache für eine Lese-Rechtschreib-Störung (LRS).

Die Ursachen für das Auftreten einer zentral-auditiven Wahrnehmungsstörung werden bislang noch erforscht. Es scheint eine genetische Komponente zu geben, die jedoch nicht als alleinige Ursache gelten kann.

Befunderhebung und Therapie im ZAPP
Wir führen eine gründliche und ausführliche Befunderhebung zu allen relevanten Bereichen durch. So erhalten wir ein genaues Leistungsprofil des Kindes. Bei der Erstellung dieses Profils orientieren wir uns an neuro- und psycholinguistischen Modellen, die die unterschiedlichen Teilfähigkeiten abbilden und in Verbindung bringen (s. auch Logogenmodell). Darauf aufbauend erstellen wir für jedes Kind einen individuellen Therapieplan, der immer wieder an die aktuellen Bedürfnisse und Fähigkeiten des Kindes angepasst wird. Die Elternberatung nimmt bei der Behandlung einen wichtigen Platz ein.
Die Therapie findet normalerweise 1-2mal pro Woche in unserer Einrichtung grundsätzlich in Einzelsitzungen statt und dauert jeweils 45 Minuten.

Wegweiser ins ZAPP
Eine zentral-auditive Wahrnehmungsstörung ist als Teilleistungsstörung im Rahmen der Heilmittelrichtlinien therapiewürdig. Die Kosten trägt dementsprechend Ihre Krankenkasse. Sie benötigen eine Heilmittelverordnung Muster 14, die jeder niedergelassene Arzt ausstellen kann. Kinder sind von Zuzahlungen befreit.
Beim Vorliegen einer anerkannten LRS (diese wird vom Schulpsychologen attestiert) können Sie auf dem Weg des ZAPPL (ZAPPLerntherapie) zu uns kommen. Sie erreichen uns telefonisch unter 0331-2755067. Informationsgespräche sind jederzeit möglich.