Aphasie

von Franziska Machleb (geb. Bachmann)

Allgemeine Informationen
Als Aphasie wird eine Sprachstörung bezeichnet, die nach dem abgeschlossenen Spracherwerb auftritt. Ursachen hierfür sind neurologische Erkrankungen, wie Schlaganfälle und Schädelhirntraumata, in der linken sprachdominanten Gehirnhälfte. 80% der Aphasien treten nach Mangeldurchblutungen des Gehirns (sogenannte ischämische Insulte) auf. Hirnblutungen, Traumata, Tumoren sowie degenerative Erkrankungen des Gehirns sind für weitere 20 % der aphasischen Störungen verantwortlich.

Hintergrundinformationen
Eine Aphasie verursacht Beeinträchtigungen in den sprachlichen Modalitäten (Hören, Lesen, Sprechen, Schreiben), die vollständig oder nur teilweise, immer aber in individuell unterschiedlicher Ausprägung betroffen sein können. Daher sind sprachliche Probleme von Patienten mit Aphasien nicht vergleichbar.

In der Befunderhebung und Therapie orientieren wir uns an wissenschaftlichem Basiswissen über die ungestörte Sprache. Die Grundlage hierfür bildet das Logogenmodell (von Patterson und Shewell, 1987).


Abb. Modell zur Einzelwortverarbeitung nach Patterson und Shewell (1987)


Das Modell zeigt, wie Sprache in seiner Gesamtheit (also Hören, Sprechen, Lesen und Schreiben) ungestört funktioniert.
Als Beispiel das Verstehen von Wörtern:
Unser Gegenüber sagt das Wort „Banane“. In der auditiven Analyse wird das Wort in seine kleinsten Bestandteile, die Laute [b][a][n][a][n][e], aufgespalten. Der auditive Input-Buffer ist dafür verantwortlich, diese einzelnen Laute zwischenzuspeichern und sich auch die Reihenfolge zu merken. Im phonologischen Input-Lexikon können wir „nachschlagen“, dass das Wort „Banane“ in unserem Wortschatz existiert. Als letztes wird auf das semantische System zugegriffen, wo wir die Bedeutung des Wortes abrufen können. Die Bedeutung setzt sich aus den Eigenschaften zusammen, in unserem Fall [Obst], [gelb], [Südfrucht], [lang], [krumm], [muss geschält werden], [süß] etc..

Bei Aphasie-Patienten kann jede einzelne der Komponenten, also die auditive Analyse, der Input-Buffer, das Input-Lexikon, das semantische System, das graphematische Input-Lexikon, die visuelle Analyse, das phonologische Output-Lexikon, der phonologische Output-Buffer, sowie das graphematische Outputlexikon, sowie jeder der Verbindungen zwischen den Komponenten (z.B. der Zugriff auf das semantische System vom graphematischen Input) selektiv gestört oder erhalten sein.

Aphasische Störungen können also sowohl das Sprachverständnis als auch die Sprachproduktion auf unterschiedliche Art und Weise betreffen. Bei einer Störung im Sprachverständnis kann ein Patient nicht verstehen, was der Gesprächspartner sagt, obwohl das Hörvermögen vollkommen intakt ist. Oft ist das Verstehen in einer vertrauten Situation oder in bestimmten Kontexten besser.
Ein häufiges Symptom von Aphasien sind Wortabrufstörungen, wobei es dem Patienten schwer fällt, auf ein Wort zu kommen.
Neben einer Abklärung der Defizite auf Einzelwortebene ist auch eine Einschätzung der Leistungen auf Satzebene sehr wichtig. Zum Beispiel werden beim Agrammatismus Sätze produziert, bei denen Wörter ausgelassen werden. Beim Paragrammatismus hingegen werden zwei Sätze miteinander verschränkt.

Befunderhebung
Für die Therapie ist es unerlässlich, ein klares Bild von den zugrunde liegenden Problemen zu bekommen. Wir orientieren uns bei der Befunderhebung auf Einzelwortebene an der ungestörten Sprache anhand des Logogenmodells (Patterson und Shewell, 1987). Mit einer individuellen detaillierten Diagnostik des einzelnen aphasischen Patienten können die gestörten und intakten Komponenten und Routen herausgefunden werden. Weiterhin kann der Schweregrad der Störung eingeschätzt werden. Häufig verwenden wir zur Befunderhebung die Lemo-Testbatterie, welche von der Universität Potsdam erstellt wurde. Aber auch andere Diagnostikverfahren kommen zum Einsatz, so z.B. der Aachener Aphasie-Test, der ELA-Satzverständnistest sowie verschiedene unveröffentlichte Testverfahren (sog. Screenings), die an der Universität für verschiedene Störungen entwickelt wurden.

Therapie
Mit der genauen Kenntnis der zugrunde liegenden funktionalen Defizite sowie des Schweregrades der einzelnen Störungen wird eine individuell auf den Patienten abgestimmte Therapie geplant, erklärt und durchgeführt. Einen wichtigen Teil unserer Arbeit stellt auch die Angehörigenaufklärung und -beratung dar.



Wegweiser ins ZAPP
Eine Aphasie ist eine behandlungsbedürftige Erkrankung und die Kosten werden laut Heilmittelrichtlinien von der Krankenkasse übernommen. Der Arzt stellt bei einer Aphasie eine Heilmittelverordnung nach dem Muster 14 aus. Mit diesem können sich Patienten im ZAPP zur Diagnostik, Therapie und Beratung anmelden. Sie erreichen uns telefonisch unter 0331-2755067. Informationsgespräche sind jederzeit möglich.