Stottern
von Sarah Breitenstein

Allgemeine Informationen
Das Störungsbild Stottern zählt zu den Redeflussstörungen (siehe auch Poltern). Es ist eine Störung des Sprechens, welche durch häufige Unterbrechungen des Sprechablaufs mit Pausen vor Wörtern, Silben und Lauten sowie Laut- und Silbenwiederholungen (z.B. k-k-k-kannst) und Dehnungen (z.B. mmmmachen) gekennzeichnet ist. Nicht jede auftretende Sprechunflüssigkeit zählt zum Störungsbild Stottern. Eine wichtige Abgrenzung erfolgt zu den entwicklungsbedingten Sprechunflüssigkeiten, die im Laufe des Spracherwerbs bei fast allen Kindern auftreten können.

Hintergrundinformationen
Das typische Alter für den Beginn des Stotterns liegt zwischen dem 3. und 6. Lebensjahr. Circa 5% aller Menschen erkranken im Laufe des Lebens an Stottern, wobei bei ca. 1% der Menschen die Symptomatik chronifiziert und damit bis ins Erwachsenenalter anhält. Die symptomatischen Unflüssigkeiten (Teilwortwiederholungen, Dehnungen, Blockierungen) sind dadurch gekennzeichnet, dass sie unfreiwillig auftreten, keine kommunikative Funktion verfolgen und damit den Informationsfluss, das Sprechtempo sowie den Sprechrhythmus beeinträchtigen. Zusätzlich können Zeichen von Anstrengung sicht- und/oder hörbar sein.
Die Ursache von Stottern ist bis heute nicht eindeutig geklärt. Annahmen, die das Auftreten von Stottern begünstigen, sind unter anderem ein vererbtes Defizit im Nervensystem im Gehirn (z.B. eine unzureichende sensorische und auditive Rückmeldung an das Gehirn beim Sprechen) sowie Auffälligkeiten in der Sprachentwicklung (SES). Auswirkungen einer SES auf den Redefluss sollten nicht unterschätzt werden (insbesondere bei mehrsprachigen Kindern, siehe auch bilingualer Spracherwerb).

Befunderhebung
Das Ziel in der Diagnostik ist es, die auftretenden Stottersymptome in ihrer Anzahl und Qualität genau zu erfassen. Dies erfolgt über die Aufnahme und detaillierte Auswertung der Spontansprache des Patienten. Darüber hinaus ist es wichtig, zum einen Informationen über die Dauer und den Verlauf des Stotterns und zum anderen über die psychischen Reaktionen auf das Stottern und daraus resultierende Verhaltensweisen (z.B. Vermeidung sprachlicher Situationen, Tabuisierung des Themas Stotterns) zu erlangen. Derartige Verhaltensweisen können zu einer Aufrechterhaltung des Stotterns führen. Die Erhebung dieser Informationen erfolgt u.a. über Eltern- bzw. Patientengespräche sowie Fragebögen.

Therapie
Durch die detaillierte Befunderhebung ist es möglich, ein individualisiertes Therapieprogramm zu konzipieren. Abhängig von verschiedenen Faktoren (u.a. Alter/Reife des Patienten, Störungsbewusstsein und Leidensdruck, Schweregrad der Störung sowie begleitende (sprachliche) Defizite) erfolgt die Auswahl eines Therapieansatzes, in dem indirekte oder direkte Methoden überwiegen. Bei der Anwendung indirekter Methoden wird nicht direkt am Stottern angesetzt, sondern es wird an den voraussetzenden sprachlichen, psychischen, motorischen und/oder kognitiven Defiziten gearbeitet. Bei der Anwendung direkter therapeutischer Methoden wird am Stottern selbst gearbeitet, mit dem Ziel das Stottern zu eliminieren bzw. das Stottern flüssiger zu machen. In der Therapie mit Kindern erfolgt parallel eine intensive Elternarbeit.

Wegweiser ins ZAPP
Um zu uns zu kommen, brauchen Sie eine Heilmittelverordnung vom Arzt. Unter der Telefonnummer 0331-2755067 kann dann ein Termin für eine Befunderhebung bzw. die Therapie vereinbart werden. Beide Leistungen werden von der Krankenkasse bezahlt. Informationsgespräche sind jederzeit möglich.