Poltern
von Sarah Breitenstein

Allgemeine Informationen
Das Störungsbild Poltern zählt zu den Redeflussstörungen (siehe auch Stottern). Es ist eine Störung des Sprechens, welche vor allem durch ein erhöhtes beziehungsweise stark variierendes Sprechtempo gekennzeichnet ist. Darüber hinaus treten Auslassungen und Verschmelzungen von Lauten und Silben, Lautersetzungen und -veränderungen sowie Wiederholungen von Silben, Wörtern oder Satzteilen auf. Das Sprechen von Polternden ist dadurch meist sehr schwer verständlich. Neben den erwähnten Kernsymptomen können unter anderem begleitend Auffälligkeiten in der Betonung, in der sprachlichen Strukturierung (u.a. unpassende inhaltliche Verknüpfungen) sowie bei der Bildung von komplexen Satzstrukturen (z.B. Nebensätze) auftreten.

Hintergrundinformationen
Das beginnende Auftreten von Poltern wird zwischen dem Vorschulalter und dem frühen Schulalter angenommen mit einer Verstärkung der Symptomatik in der Pubertät.
Die Ursache von Poltern ist bis heute ungeklärt. Annahmen, die das Auftreten von Poltern begünstigen, sind unter anderem ein gestörtes Timing zwischen der gleichzeitigen Produktion und Wahrnehmung von sprachlichen Prozessen oder auch eine zentral auditive Verarbeitungsstörung (siehe auch auditive Wahrnehmungsstörungen).
Poltern tritt häufig in Kombination mit Stottersymptomen auf. Reines Poltern kommt im Vergleich zum Stottern relativ selten vor. Im Gegensatz zum Stotternden zeigt der Polternde kaum Anstrengung beim Sprechen. Darüber hinaus verfügt er meist über wenig Bewusstsein gegenüber den auftretenden Symptomen.

Befunderhebung
Das Ziel in der Diagnostik ist es, die auftretenden Poltersymptome in ihrer Anzahl und Qualität genau zu erfassen. Dies erfolgt über die Aufnahme und detaillierte Auswertung der Spontansprache des Patienten auf verschiedenen Sprechleistungsstufen (u.a. Dialog, Monolog, Lesen). Eine Abgrenzung der beiden Störungsbilder Poltern und Stottern wird vorgenommen. Darüber hinaus ist es wichtig, zu überprüfen, ob der Polternde in der Lage ist, sein Sprechen mit Intention (d.h. in einer vorgegebenen Rolle) zu variieren (z.B. schnell/langsam, mit Pausen, monoton). Der Zugang über die Intentionalität könnte ein möglicher Weg in der Therapie sein. Ein weiterer wichtiger Bestandteil der Diagnostik ist ein ausführliches Anamnesegespräch mit den Eltern bzw. Patienten u.a. zur allgemeinen kindlichen Entwicklung, zum Beginn sowie zum Verlauf der Poltersymptomatik und zur Abklärung der Therapiemotivation.

Therapie
Durch die detaillierte Befunderhebung ist es möglich, ein individualisiertes Therapieprogramm zu konzipieren. Ein Hauptbestandteil der Therapie ist dabei die Vertragsarbeit, um eine gemeinsame, aktive Gestaltung des Therapieprozesses zwischen TherapeutIN, Patient und Angehörige zu gewährleisten. Im Rahmen der Vertragsarbeit werden gemeinsam das Hauptanliegen definiert, Ziele für die Therapie und im Alltag formuliert und konkrete Lösungsschritte zur Zielumsetzung besprochen. Anhand der Problembeschreibungen werden die relevanten Übungsebenen ausgewählt. Dabei bleibt der Transfer im Vordergrund, das heißt, der Patient soll die in der Therapie erarbeiteten Strategien und Methoden in für ihn wichtigen Alltagssituationen anwenden können. Um einen gelungenen Transfer zu erreichen, ist neben der Vertragsarbeit, eine intensive Eltern- und Angehörigenberatung Bestandteil der Therapie.

Wegweiser ins ZAPP
Um zu uns zu kommen, brauchen Sie eine Heilmittelverordnung vom Arzt. Unter der Telefonnummer 0331-2755067 kann dann ein Termin für eine Befunderhebung bzw. die Therapie vereinbart werden. Beide Leistungen werden von der Krankenkasse bezahlt. Informationsgespräche sind jederzeit möglich.