Mutismus
von Sarah Breitenstein

Allgemeine Informationen
Das Störungsbild Mutismus zählt zu den Kommunikationsstörungen. Es wird zwischen einem totalen und selektiven Mutismus unterschieden. Beim totalen Mutismus wird die Lautsprache trotz erhaltenem Hör- und Sprechvermögen völlig verweigert. Eine totale Sprechverweigerung kommt bei Kindern äußerst selten vor. Die häufigere Erscheinungsform ist der selektive Mutismus. Dabei erfolgt die Verweigerung der Lautsprache in bestimmten Situationen und gegenüber bestimmten Personen. Eine Kommunikation im engsten Familienkreis (Eltern, Geschwister, z.T. Großeltern) ist meist möglich. Kinder mit Mutismus zeigen neben dem Schweigen häufig noch eine übergreifende Angststörung, die sich u.a. in einer allgemeinen Gehemmtheit, einem sozialen Rückzug und einer übersteigerten Empfindsamkeit äußert.

Hintergrundinformationen
Das typische Alter für den Beginn einer mutistischen Störung liegt im frühen Vorschulalter. Circa 2,6% der Kinder im Grundschulalter zeigen einen selektiven Mutismus. Neben dem Symptom des Schweigens können begleitende Sprach-, Sprech- und Redeflussstörungen sowie psychische Erkrankungen (z.B. Angststörungen, Störungen der Ausscheidungsorgane) auftreten.
In Situationen, in denen das Schweigen auftritt, zeigt sich häufig zusätzlich zur Verweigerung des Sprechens ein körperliches und mimisches Erstarren. Teilweise ist eine Verständigung über Gesten und Schriftsprache möglich. In Situationen, in denen kein Schweigen auftritt, ist das Sprechen meist lebendig und ungehemmt. Die mimisch-gestische und körperliche Ausdrucksweise ist dann locker und entspannt.
Als Ursache von Mutismus wird häufig eine genetische Veranlagung angenommen. Häufig weisen Familienangehörige ebenfalls ein ausgeprägtes schüchternes und ängstliches Verhalten gegenüber fremden Situationen auf. Die Unfähigkeit mit den ängstlichen Gefühlen gegenüber fremden Situationen umzugehen, führen bei den Kindern zu einer zunehmenden Verstummung. Neben den genetischen Einflüssen werden unter anderem auch Auffälligkeiten in der Sprachentwicklung (SES) sowie ungünstige Umgebungsfaktoren (z.B. ein stressreiches Umfeld) angenommen.

Befunderhebung
Das Ziel in der Diagnostik ist es, zum einen herauszufinden, wann, wo, wie und mit wem das Kind spricht, um dadurch die Grenzen des Sprechens und Schweigens des Kindes zu identifizieren. Die Aufstellung der Situationen und Personen erfolgt je nach Alter des Kindes gemeinsam mit dem Kind und/oder mit den Eltern, Erziehern/Lehrern. Zum anderen geht man auf die Suche nach der Ursache des Schweigens, die zum Beginn sowie zur Aufrechterhaltung des schweigenden Verhaltens geführt haben. Eine interdisziplinäre Zusammenarbeit mit einem Psychotherapeuten wird bei der Ursachenermittlung angestrebt.
Zusätzlich zur Erhebung diagnostikrelevanter Daten stehen das Vermitteln von Sicherheit und der Aufbau einer Vertrauensbasis zwischen Kind und Therapeut im Mittelpunkt.

Therapie
Das Ziel der Sprachtherapie ist es, die sprachlichen Kompetenzen und Handlungsmuster zu erarbeiten, die für den pragmatischen Einsatz von Kommunikation notwendig sind. Das Üben der erarbeiteten Handlungsmuster erfolgt im therapeutischen Setting sowie in realen Situationen. Für einen erfolgreichen Transfer der aufgebauten, sprachlichen Kompetenzen findet eine Zusammenarbeit zwischen dem Therapeuten und den Eltern sowie den Erziehern/Lehrern statt. Die Auswahl eines geeigneten Therapieansatzes erfolgt je nach Alter/Reife und Leidensdruck des Kindes. Dabei stehen verschiedene Therapieansätze zur Auswahl (z.B. Systemische Mutismustherapie, Dortmunder Mutismus-Therapie, Kooperative Mutismus-Therapie). Neben der direkten Arbeit mit dem Kind findet parallel eine intensive Elternberatung statt, in der Ängste, Familienstrukturen und ungünstiges Erziehungsverhalten thematisiert und besprochen werden können. Bei zusätzlichen entwicklungspsychologischen Auffälligkeiten wird ein Psychotherapeut einbezogen.

Wegweiser ins ZAPP
Um zu uns zu kommen, brauchen Sie eine Heilmittelverordnung vom Arzt. Unter der Telefonnummer 0331-2755067 kann dann ein Termin für eine Befunderhebung bzw. die Therapie vereinbart werden. Beide Leistungen werden von der Krankenkasse bezahlt. Informationsgespräche sind jederzeit möglich.