ZAPP Mehrsprachigkeit (ZAPP M)
von Annegret Klassert

ZAPP M ist eine Initiative vom ZAPP. Ziel ist die Verbesserung der Diagnostik und Elternberatung, wenn Probleme in der Sprachentwicklung und beim Erwerb der Schriftsprache bei mehrsprachigen Kindern auftreten.

ZAPP M beinhaltet:
  • die Verwendung spezieller Diagnostikinstrumente: mehrsprachige Anamnesebögen, Erstsprach- und Zweitsprachtests, quasi-universelle Verfahren, Checklisten.
  • die Orientierung an neuesten nationalen und internationalen Forschungsergebnissen
  • ein umfangreiches Netzwerk an SprecherInnen verschiedener Erstsprachen. Sie führen in Zusammenarbeit mit einer Therapeutin/ einem Therapeuten die Diagnostik und Elternberatung in der entsprechenden Sprache durch.
  • eine regelmäßige Weiterqualifikation der TherapeutInnen zu den Themen Sprachentwicklungsstörungen und Störungen des Schriftspracherwerbs bei mehrsprachigen Kindern.
  • die wissenschaftliche Anbindung an die Universität Potsdam: Department Linguistik und Potsdam Research Institute for Multilingualism (PRIM)
  • die Kooperation mit Partnern aus dem pädagogischen, psychologischen und medizinisch-therapeutischen Bereich


Sprachentwicklung und Sprachentwicklungsstörungen bei zwei- und mehrsprachigen Kindern

Allgemeine Informationen
Die Sprachentwicklung bezeichnet man als zwei- bzw. mehrsprachig (auch bi- bzw. multilingual), wenn Kinder im Kontakt mit zwei oder mehr Sprachen aufwachsen. Mehrsprachigkeit allein kann weder eine spezifische Sprachentwicklungsstörung (SSES) auslösen noch diese negativ beeinflussen. Eine SSES wirkt sich immer auf alle Sprachen eines Kindes aus.

Hintergrundinformationen
Bei Kindern, die im Kontakt mit zwei oder mehr Sprachen aufwachsen, unterliegt der Verlauf der Sprachentwicklung einer größeren Variation als bei einsprachigen Kindern. Eine Vielzahl von Faktoren bestimmen die Entwicklungsverläufe in den einzelnen Sprachen. Dazu zählt z.B. wie viel und in welchen Kontexten das Kind mit den einzelnen Sprachen in Kontakt kommt, die Einstellung zur jeweiligen Sprachen und der dazugehörigen Kultur sowie der sozioökonomische Status der Eltern.
All diese Faktoren müssen in der sprachlichen Diagnostik berücksichtig werden. Erst dann kann man eine Aussage darüber treffen, ob das Kind einen adäquaten Sprachentwicklungsstand hat.

Bei mehrsprachigen Kindern muss eine SSES von Sprachentwicklungsauffälligkeiten auf Grund von mangelnden Kontakten mit der jeweiligen Sprache abgegrenzt werden. Im letzteren Fall muss vor allem das Sprachangebot erhöht und verbessert werden. Einen wichtigen Beitrag dazu leistet die Sprachförderung im Kindergarten.

Im Fall einer SSES sollte so früh wie möglich eine gezielte sprachtherapeutische Intervention folgen. Generelle Indikatoren für eine SSES sind ein verspäteter Beginn der Sprachentwicklung in der oder den Erstsprachen und ein langsames Entwicklungstempo in allen Sprachen.
Auch andere Probleme wie z.B. Mutismus (generelle oder situationsspezifische Sprechverweigerung) oder Stottern sind bei zwei- und mehrsprachigem Aufwachsen nicht „normal“. Bestehen diese über einen längeren Zeitraum (länger als 6 Monate) sollten sich die Eltern unbedingt sprachtherapeutisch beraten lassen.

Diagnostik
Zusätzlich zur sprachspezifischen Diagnostik der deutschen Sprache legen wir Wert auf den Einbezug des Sprachentwicklungsstandes in der/den anderen Sprache(n). Dies erfolgt über die Befragung der Eltern. Dazu verwenden wir gegebenenfalls Fragebögen in den Herkunftssprachen der Eltern. Außerdem arbeiten wir mit für die Diagnostik speziell geschulten Muttersprachlern folgender Erstsprachen zusammen: Englisch, Französisch, Russisch, Portugiesisch, Griechisch, Schwedisch, Hebräisch, Arabisch, Italienisch und Spanisch. Diese unterstützen unsere Therapeuten in der Elternberatung und –befragung und führen mit den Kindern Tests in der Muttersprache durch. So kann genau festgestellt werden, ob es in dieser Sprache Entwicklungsauffälligkeiten gibt.

Therapie
Die Therapie am ZAPP wird ausschließlich für die deutsche Sprache durchgeführt.
Ein wichtiger Therapiebaustein, zusätzlich zur störungsspezifischen Therapie, stellt die Elternberatung dar. Sie beinhaltet den optimierten Umgang mit mehrsprachiger Erziehung, sowie die Koordination verschiedener Maßnahmen zur Förderung und Therapie. Bei Bedarf kann Elternberatung auch in englischer, russischer oder französischer Sprache erfolgen.

Wegweiser ins ZAPP
Um zu uns zu kommen, brauchen Sie eine Heilmittelverordnung vom Arzt (Kinderarzt oder HNO-Arzt). Unter der Telefonnummer 0331-2755067 kann dann ein Termin für eine Befunderhebung bzw. die Therapie vereinbart werden. Beide Leistungen werden von der Krankenkasse bezahlt. Informationsgespräche sind jederzeit möglich.